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am 3. Mai 2016

"Keep It In The Ground": Divestment in Österreich

- Die globale Divestment-Bewegung kämpft gegen Kapitalanlagen, die fossile Energieträger fördern. Wir wollen Divestment auch in Österreich!

Kein geld in Kohle, Öl und gas investieren!

Große Investoren und Privatanleger ziehen sich immer häufiger aus Vermögensveranlagungen in fossilen Energieträgern zurück und investieren stattdessen in erneuerbare Energien. Ein besonders prominenter Unterstützer und Verfechter davon ist der ehemalige Chefredakteur und Herausgeber des britischen "The Guardian", Alan Rusbridger. Dieser ist anlässlich der Erdgespräche in Wien und hat gemeinsam mit unserer Umweltsprecherin Christiane Brunner eine Pressekonferenz gegeben.

"keep it in the ground"

Im Mai 2015 startete Rusbridger die Klimakampagne "Keep It In The Ground". Durch eine breite und verständliche Berichterstattung in Kombination mit Social-Media-Aufrufen und der Vernetzung mit NGOs wie etwa 350.org soll die Finanzbranche dazu gebracht werden, Investitionen in Kohle, Öl und Gas zurückzunehmen ("fossil fuel divestment"). 

So wurde zum Beispiel bei der Gates Foundation von Microsoft-Gründer Bill Gates und der Wellcome Trust, dem weltgrößte Geldgeber für medizinische Forschung, Druck gemacht. Beide Organisationen haben nämlich gesagt, dass der Klimawandel die größte Bedrohung ist. Also hätte man hier – anders als etwa bei Shell und Goldman Sachs – gute Argumente, etwas bewegen zu können.

„Wir wollen, dass sich die "Guten" aus fossilen Investments zurückziehen und stattdessen in umweltfreundliche Technologien investieren.“
Alan Rusbridger
Bild: Christiane Brunner und Alan Rusbridger
„Ich werde den österreichischen Kapitalmarkt genau unter die Lupe nehmen. Mein Ziel ist, dass auch Österreichs Geldanlagen nachhaltig und sauber sind.“
Christiane Brunner, Umweltsprecherin

"FOSSIL DIVESTMENT" – WAS IST DAS?

Ziel von "Divestment"-Initiativen ist der Abzug von Vermögen und Kapitalanlagen, die zur Finanzierung der fossilen Energiegewinnung beitragen – und damit den zerstörerischen Klimawandel vorantreiben. Denn um die Erderwärmung (Ziel: 2 Grad) zu begrenzen, muss der Großteil der fossilen Energiereserven im Boden bleiben! 

Wieviel Geld fliesst in Kohle, Öl und Gas?

Leider investieren viele öffentliche und private Finanzinstitutionen Milliardenbeträge in Kohle-, Öl- und Gasunternehmen, ohne dabei an das Weltklima zu denken. Dazu zählen beispielsweise staatliche Institutionen, Unternehmen, Pensionskassen, Banken, Versicherungen, Universitäten oder auch religiöse Institutionen. Derzeit sind 1 Billion Euro in fossilen Energien veranlagt. In der EU sind laut Schätzungen zwischen 20 und 330 Milliarden Euro für die Pensionskassen, 460-480 Milliarden Euro für Banken und 300-400 Milliarden Euro für Versicherungsunternehmen in Aktien angelegt.

WAS WOLLEN "DIVESTMENT-INITIATIVEN"?

Kapital aus fossilen Investitionen abziehen und stattdessen in klimafreundliche Alternativen investieren.

wIE FUNKTIONIERT DIE BEWEGUNG?

"Divestment" ist als so genannte Bottom-Up-Bewegung aktiv, die Druck auf Entscheidungsträger ausübt und Transparenz am Kapitalmarkt einfordert. In Österreich forciert u.a. die Inititiative "Neongreen Network" das fossile Divestment. Für uns Grüne ist "Raus aus Kohle, Öl und Gas" seit Jahren eine zentrale Forderung – klar, dass wir diese Bewegung voll und ganz unterstützen!

"Divestment"-Bewegung - erfolgreiche beispiele

  • Die US-amerikanische Stanford University ist eines der ersten prominenten Beispiele für "Fossil Divestment". Der Ausstieg bezieht sich dabei insbesondere auf Kohle-Divestment. Weitere Schritte für den Ausstieg aus fossilen Investitionen sind in Diskussion. Kürzlich folgte die University of Washington mit einem ähnlichen Beschluss (2,8 Milliarden US-Dollar).
  • Die University of Glasgow in Schottland beschließt als erste Universität Europas, die ein Divestment im Wert von 128 Millionen Pfund (Oktober 2014). Dem Beschluss ging eine Kampagne von Studierenden voraus.
  • Church of England steigt aus. Auch Kirchen folgen dem Beispiel und ziehen ihre Mittel zurück. Eines der Beispiele ist die Church of England, die erst vor wenigen Wochen aus Kapitalanlagen in die Energiegewinnung aus Ölsanden und Kohle ausgestiegen sind (Wert 12 Millionen britische Pfund).
  • The Guardian steigt aus. Die britische Tageszeitung zieht ihre Investitionen auf Initiative der "Divestment-Bewegung" aus fossilen Energieträgern zurück.
  • Norwegen streicht im Jahr 2014 rund 114 Firmen (viele davon involviert in Kohle- und unkonventionelle Ölförderung) aus Klima- und Umweltschutzgründen aus dem Portfolio seines Staatsfonds (zweitgrößter Staatsfonds der Welt). Dies ist zwar noch weit weg von einem Gesamtausstieg, wird jedoch als erster Schritt interpretiert.
  • Auch Städte hinterfragen zusehends die Klimawirksamkeit ihrer Kapitalanlagestrategie. Die schwedischen Städte Örebrou und Lidköping ziehen ihre Investitionen aus fossiler Energiegewinnung zurück. Eine Reihe von US-amerikanischen Städten haben ebenso entsprechende Beschlüsse getroffen.
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